Akte Demetrius

Ein Shapeshifter-Roman

Akte Demetrius

Verlag: Deadsoft

Erschienen im Juni 2016. Erhältlich im normalen Buchhandel sowie bei amazon und auch bei anderen Online-Händlern.

Preis: 12,95 € (print)/ 5,99 € (ebook)

ISBN: 3960890036 bzw. 978-3960890034

Klappentext: Macht über das Innerste der Menschen zu haben – dies ist für den hochbegabten, jungen Demetrius Archer zum Greifen nah, als er seine übernatürlichen Fähigkeiten als Traumgänger entdeckt. Er schließt sich der skrupellosen Foundation an, die Jagd auf andere Begabte macht, um sie für Experimente zu nutzen. Dabei haben sie es besonders auf die Nachtlinge abgesehen. Unfreiwillig lernt Demetrius dabei einen besonderen Nachtling kennen: einen Mann, der sich in einen schwarzen Panther verwandeln kann und den Erzfeinden der Foundation angehört. Während ein geheimer Krieg zwischen ihren Organisationen tobt, beginnen die beiden ihr eigenes, höchst gefährliches Spiel – ein Spiel, bei dem sie weit mehr als nur ihr Leben riskieren …

Informationen & Credits

Leseprobe

Traumgänger

Das Licht der Mittagssonne fiel durch die schmalen Spalten der zugezogenen Vorhänge. Das warme Licht erhellte nur wenig das Zimmer, in dem sich Demetrius wie immer um diese Zeit zurückgezogen hatte, um zu lesen.
Von draußen drang das Lachen der Nachbarskinder zu ihm. Doch er hatte kaum ein Ohr dafür, denn er konnte sowieso nicht mit ihnen spielen. Er kannte sie nicht und sie kannten ihn nicht. Erst wenn die Sonne untergegangen war, konnte er hinausgehen. Dann waren die anderen Kinder schon zu Hause und erzählten von ihrem Tag unter der Sonne, die sie nur bräunte, während sie Demetrius verbrennen würde. Doch auch davon wussten diese Kinder nichts, denn nicht einmal in der Schule trafen sie aufeinander, da er diese nicht besuchte und nur von seinem Privatlehrer unterrichtet wurde, der ihm kaum etwas von der örtlichen Schule zu erzählen wusste.
Demetrius verjagte eine Fliege, dann blätterte er weiter. Der schwere Wälzer über europäische Politik war nichts, was man einem zehnjährigen Kind als Lektüre empfehlen konnte, aber Demetrius hatte sich einfach in der gut ausgestatteten Bibliothek seiner Eltern bedient. Sie bekamen davon nichts mit, waren sie doch den ganzen Tag, mitunter sogar Tage und Wochen, unterwegs. Wenn sie doch einmal da waren, erfuhren sie trotzdem recht wenig von ihm und seinen Interessen. Demetrius war das nur recht, denn so hatte er seine Ruhe und musste niemandem Rede und Antwort stehen.
Es klopfte leise an seiner Tür. Es war Mrs Johnson, die Haushälterin seiner Eltern und seine Ersatzmutter, die ihm wie immer um diese Zeit Tee und Plätzchen anbot.
„Master Demetrius“, hörte er sie leise rufen, während sie die Tür einen Spalt breit öffnete.
Demetrius legte das Buch ab und markierte die Stelle mit einem Lesezeichen, ehe er sich erhob. „Mrs Johnson, haben Sie Aristoteles schon gefüttert?“, fragte er.
„Ja, habe ich. Wollen Sie nicht draußen in der Küche Ihren Tee einnehmen? Er wird sich sicherlich freuen, wenn er Sie zu Gesicht bekommt“, meinte Mrs Johnson sanft.
Demetrius nickte und folgte ihr hinüber zur Küche, um seinen Freund zu begrüßen. Über die Zeit hatte er ganz vergessen, sich zu bewegen, daher tat es gut, für eine Weile sein allzu vertrautes Zimmer zu verlassen und die Gesellschaft der Wesen zu suchen, die er am meisten schätzte.
Aristoteles sah blinzelnd auf, widmete sich dann aber wieder der Hühnerleber, die ihm Mrs Johnson vorgesetzt hatte, als Demetrius die Küche betrat. Er setzte sich an den Tisch und nahm eine Teetasse entgegen.
„Haben meine Eltern angerufen?“, wollte er wissen, obwohl ihm natürlich klar war, dass er in diesem Fall das Telefon gehört hätte. Sein Vater war im Augenblick in Geschäftsangelegenheiten auf dem Festland und seine Mutter in Edinburgh bei irgendeiner gesellschaftlichen Veranstaltung, die Geld für arme Kinder in irgendeinem Land am Ende der Welt sammelte. Er rechnete also nicht mit einer Antwort in seinem Sinne.
Mrs Johnson schüttelte daher auch folgerichtig und offen bekümmert den Kopf. „Nein, Master Demetrius. Sie haben nicht angerufen. Sie werden sich ganz sicher heute Abend melden“, erklärte sie. Demetrius konnte an ihrer Stimme hören, dass sie nicht daran glaubte, aber die Wahrheit nicht auszusprechen wagte.
Doch das Versprechen, das seine Eltern sich melden würden, war ein Mantra, an das sie sich beide klammerten: Sie in der Hoffnung, dass sie nicht mehr seine stille Traurigkeit sah und er mit dem Glauben, nicht nur ein Unfall seiner Eltern oder ein dummer Zufall einer unbesorgten Nacht gewesen zu sein, der jetzt Jahre später als Krüppel im fernen Zuhause bestens versorgt lebte, kaum ihre Wege berührte und nicht ihr Leben störte.
„Dann werde ich warten“, erwiderte er, wie er es immer tat, und ließ sich die wunderbaren Plätzchen schmecken. Mrs Johnson sah es immer mit Erleichterung, wenn ihr Schützling mit dem Appetit eines Kindes aß, das er eigentlich war, benahm er sich doch sonst viel zu ernst und erwachsen. Aristoteles hatte auch inzwischen sein Mahl beendet und schritt hinüber zu den beiden Menschen. Mit einem Schnurren ließ er sich neben Demetrius auf der Sitzbank nieder.
Demetrius streichelte den Kater. Solche Annäherungen mussten genutzt werden, denn Aristoteles war fast wie sein Herrchen: Äußerst schwierig im Umgang mit Menschen und auf Unnahbarkeit bedacht.
„Noch Kekse?“, fragte Mrs Johnson.
„Ja, bitte.“ Dann verfielen sie wieder in Schweigen, nur das Schnurren des Katers war zu hören. Demetrius war in Gedanken bereits wieder bei seinem Buch. Er wollte am nächsten Tag seinen Lehrer nach einigen Dingen fragen, die er darin gefunden hatte.
Der Unterrichtsstoff, den er vorgesetzt bekam, war eigentlich für zwei Klassen über seiner Altersstufe bestimmt. Wenn er so weitermachte, würde er bereits mit fünfzehn seinen Schulabschluss haben und könnte aufs College und an die Universität gehen. Er hatte auch schon die richtigen Institute im Auge, die er zu besuchen gedachte.
Kinder wie ihn bezeichnete man als hochbegabt. Doch er sah das etwas anders. Er verschwendete einfach nur keine Zeit damit, um zu spielen und andere Kinder zu ärgern. Es stand ihm daher einfach mehr Zeit zur Verfügung. Er war eine fleißige, seinen Altersgenossen vorauseilende Missgeburt, ein Albino, der die Sonne meiden musste, um nicht zu verbrennen. Wie ein Vampir lebte er in diesem Haus, gefangen aufgrund biologischer Zusammenhänge, die er nicht ändern konnte, doch mittlerweile entsprach das fast seiner Natur. Nur auf Blut als Nahrung konnte er gut verzichten.
Eines Tages, so wusste Demetrius mit Gewissheit, wenn er genug gelernt hatte, würde er hinausgehen und all das umsetzen, was er sich vorgenommen hatte. Dann würde man ihm mit Respekt und auch Angst begegnen. Demetrius gefiel dieser Gedanke, der ihn aufrecht hielt und seinen Rücken stärkte, wenn Wut und Trauer ihm zu schwer wurden.

Der Rest des Tages verlief so ereignislos wie jeder Tag im Hause Archer. Gegen Abend rief jedoch tatsächlich seine Mutter an und erzählte ihm unwichtige Dinge von langweiligen Menschen und Ereignissen. Nur einmal horchte Demetrius kurz auf, als sie von einem französischen Botschafter sprach, der sich offenkundig für die wenig akzeptierte Wissenschaft des Paranormalen interessierte. Demetrius wusste, dass diese Art „Wissenschaft“ weder anerkannt noch logisch war. Was sich nicht eindeutig beweisen ließ, gehörte weder überlegt noch überhaupt angedacht. Es existierte nicht! Wenn man auf einen solchen Menschen traf, hatte man sich daher in Zurückhaltung zu üben und höflich zu bleiben, soweit das nötig und auch möglich war – ähnlich, wie man dies bei einem zurückgebliebenen oder infantilen Menschen tat.
Dies war allgemeiner gesellschaftlicher Konsens, daher teilte er auch in diesem Moment die Meinung seiner Mutter, als er ihr seine Gedanken dahin gehend äußerte und sie damit bestätigte. Sie lachte und meinte, dass sie diesem undurchsichtigen und wenig vertrauenswürdigen Menschen kein Wort Glauben schenkte. Dann wünschte sie ihm eine gute Nacht; wann sie jedoch nach Hause zurückkehren wollte, darüber verlor sie kein Wort.
Demetrius reichte Mrs Johnson das Telefonhörer zurück und ging dann zu Bett. Sogleich machte es sich Aristoteles neben ihm auf der Decke bequem.
„Schlafen Sie gut, Master Demetrius“, verabschiedete sich Mrs Johnson. „Ein Kuss?“
Demetrius, der das abendliche Ritual nicht zu brechen gedachte, hielt ihr die Stirn hin.
„Gute Nacht, Mrs Johnson“, wünschte er höflich. Er bekam einen Kuss auf die Stirn und ein warmes Lächeln zurück. Die Hand, die über seinen Kopf und durch seine Haare strich und ihm flüchtige Wärme schenkte, gehörte auch dazu. Er verstand nicht, wie Mrs Johnson seine Haare mögen konnte. Er sah damit wie ein alter Mann aus, egal wie oft sie seine Haarfarbe als silbern bezeichnete, sie waren und blieben weiß. Dennoch hatte er großes Glück: Andere Albinos hatten neben ihrem ungewöhnlichen Aussehen außerdem eine extreme Sehschwächen zu hinzunehmen. Doch seine Eltern hatten keine Kosten gescheut, um seine Augen vor einigen Jahren operieren zu lassen, sodass er heute so gut wie jeder andere normale Mensch sehen konnte – von einer nicht heilbaren Nachtblindheit abgesehen. Demetrius hatte Bilder anderer Albinos gesehen und wusste daher, dass sie violette oder rosafarbene Augen hatten. Seine jedoch waren rot. Die Farbe war durch die Operation sogar noch stärker geworden; vermutlich würde man ihm irgendwann raten, getönte Kontaktlinsen zu tragen, um besser angepasst auszusehen.
Aber wozu sich Gedanken machen? Er wollte ja niemanden mit seinem guten Aussehen beeindrucken, wie seine Mutter es tat. Seine Ziele waren Macht und Einfluss, und davon wollte er eine ganze Menge. Dann kümmerte es auch nicht mehr, wie er aussah. Eher im Gegenteil: Die instinktive Furcht der sogenannten normalen Menschen vor anders aussehenden konnte er sehr gut dafür einsetzen. Seine ungewöhnlichen Augen würden ihm bei seinem Vorhaben nur Vorteile bringen. Furcht war eine Basis der Macht und daher seine beste Verbündete. Mit diesem Gedanken entspannte er sich und lächelte zufrieden.
Bis auf ein kleines Nachtlicht löschte Mrs Johnson alle Lampen. Demetrius spürte, wie der Kater noch etwas hin- und herlief, dann begleitete dessen Schnurren ihn in den Schlaf.

Gesichter, Stimmen, Licht. Fremde Geräusche, Autos und der Lärm einer Großstadt.
Ein hohes gläsernes Gebäude mit einem Firmenlogo blitzte auf.
Zwei Unbekannte, die sich unterhielten. Ein Mann und eine Frau.
 
Die Foundation braucht mehr Nachwuchs, Mr Fraser. Der Ordo hat in letzter Zeit unheimlich viele Telepathen aufgenommen. So geht das nicht weiter!“
Ich bin mir der Situation bewusst, Mrs Nolan. Haben Sie Geduld, die Kollegen haben bereits vielversprechende junge Leute im Blick. Wenn diese erst hören, was wir ihnen für unbegrenzte Möglichkeiten bieten, werden sie uns aus der Hand fressen.“
 

Demetrius fühlte Unruhe in sich. Er kannte solche Träume. Sie waren so real, dass er sich am nächsten Tag noch an sie erinnern konnte. Das Verrückte daran war, dass er sogar während seiner Träume wusste, dass er träumte. Leise stöhnte er auf, als er der Frau und dem Mann folgte. Sie schienen es eilig zu haben, so dass er Mühe hatte, sie nicht aus den Augen zu verlieren. Es drängte ihn jedoch, bei ihnen zu bleiben. Vor allem die Frau war wichtig, dessen war er sich gewiss.
Er hatte das merkwürdige Gefühl, als ob er hinter ihr schweben würde, unsichtbar, unbemerkbar, aber doch vorhanden. Kurz drehte sie sich um, ihre Augen schmal.
Hatte sie ihn bemerkt? Demetrius hielt unwillkürlich den Atem an und versuchte so wenig wie möglich präsent zu sein. Es schien zu funktionieren, denn sie ging nach einem Moment des Zögerns weiter den Korridor entlang, bis sie an eine Tür gelangte, die in einen größeren Raum führte. Sie wurde anscheinend schon zusammen mit dem Mann, der auf den Namen Fraser hörte, erwartet, denn mehrere ältere Leute in schwarzen Anzügen saßen um einen Tisch und blickten auf, als sie eintraten. Doch im Gegensatz zu Mrs Nolan und Mr Fraser konnte Demetrius diese nur verschwommen wahrnehmen. Er hatte die vage Ahnung, sie konnten sich abschirmen.
Demetrius war sich auf einmal sicher, dass er nicht träumte.
Das hier war etwas ganz anderes und in ihm keimte der Verdacht, dass das, was er in seinen anderen Träumen dieser Art gesehen hatte, ebenso real gewesen sein musste. Er schwebte durch die Reihen und lauschte angestrengt. Aber da war nur Stille. Alles, was diese Männer oder Frauen sagten, war für ihn nicht hörbar.
Es war sehr merkwürdig; er konnte nur verstehen, wenn Mrs Nolan etwas sagte, was aber nicht sehr aufschlussreich war, da das Meiste aus Antworten auf ebendiese Fragen bestand.
Dann aber: „Ich versichere Ihnen, wir werden bald die jungen Talente aufgespürt haben. Nicht nur Telepathen, sondern vielleicht auch einen Traumgänger. Im Moment können wir ihn jedoch noch nicht lokalisieren, das gilt aber auch für den Ordo. So wie es aussieht, hat er ihn nicht einmal gesehen. Scheinbar mangelt es dem Ordo immer noch an neuen und vor allen Dingen stärkeren Traumgängern, was uns die nötige Zeit verschafft.“
Traumgänger?, Demetrius wiederholte überrascht das Wort in seinem Kopf, und eine überaus wichtige Erkenntnis überkam ihn: Er war ein Traumgänger!
Erleichterung durchfuhr ihn. Erleichterung darüber, dass es einen Begriff dafür gab, was er hier machte. Sein ganzes bisheriges Wissen und die Gewissheit seines Weltbildes war damit zwar auf den Kopf gestellt, aber das war mit einem Mal unwichtig. Weit wichtiger war, dass sich mit diesem Wissen neue Möglichkeiten für ihn eröffneten – Möglichkeiten, die ihn viel weiter bringen konnten, als er es sich je in seinen kühnsten Träumen hatte ausmalen können. Diese Organisation suchte jemanden wie ihn, und da er vorgewarnt war, würde er sich nicht ausnutzen lassen.
Die Männer und Frauen in den schwarzen Anzügen hatten Macht, das spürte er. Große Macht. Und er könnte einer von ihnen werden – vielleicht sogar mehr als das, stellte er sich vor. Bei diesem Gedanken fühlte er die Macht und den Einfluss, dessen Geschmack ihm noch fremd war, den er sich aber so sehr wünschte, geradezu wie einen Rausch.
„Hallo, Junge“, hörte er plötzlich eine Stimme, die überall zu sein schien. Instinktiv wich Demetrius zurück, jedoch sehr viel weiter, als er eigentlich wollte – und erwachte mit einem Ruck.
Aristoteles sprang mit einem indignierten Maunzen vom Bett. Schwer atmend setzte Demetrius sich auf und versuchte sich zu sammeln. Sie hatten ihn bemerkt, wer auch immer sie waren. Das Firmenlogo und das Gebäude waren noch immer klar in seinen Gedanken. Ganz sicher konnte er diese Organisation finden. Demetrius sprang aus dem Bett und ging hinüber zum Schreibtisch. An Schlaf war in diesem Moment ganz sicher nicht mehr zu denken.
Er suchte das Telefonbuch und einen Bildband von London heraus. Er war sich ganz sicher, dass sich diese Menschen und das Gebäude in London befanden. Zumindest waren sie Londoner. Der Akzent war typisch und unverwechselbar. Er selbst hielt es für seine Pflicht und Schuldigkeit, sauberes Oxford-Englisch zu sprechen. Das zeugte von Herkunft und Bildung; etwas, worauf seine Eltern größten Wert legten und er ebenfalls.
Er musste nicht lange suchen. Das Gebäude der Japan Foundation beherbergte eine Vielzahl von Büros und war für ihn damit leicht zugänglich. Was jedoch das Geschäftsfeld dieser ominösen Organisation anbelangte, war sich Demetrius nicht sicher. Sicher war er sich jedoch darüber, dass sich hinter dieser vorgeblich asiatischen Stiftung die Organisation verbarg, die er suchte.
Nach kurzer Überlegung verwarf Demetrius den Gedanken, die Japan Foundation anzurufen. Er musste selbst dorthin fahren. Er schrieb die Adresse und die Nummern auf und begann zu planen. Ein Trip nach London war an sich kein Problem, da die Entfernung von Edinburgh aus dank eines Privatflugzeugs kaum eine Rolle spielen sollte, aber er konnte nicht einfach allein losziehen. Er brauchte Geld, Begleitung und eine möglichst sichere Wettervoraussage, dass es bedeckt sein würde. Außerdem mussten seine Eltern zustimmen.
Lange warten konnte er jedenfalls nicht. Diese Menschen wussten, dass er bei ihnen gewesen war, daher er hatte nicht vor, darauf zu warten, bis sie ihn fanden. Er bestimmte Zeit und Ort und Umstände. Kontrolle war das Wichtigste bei einem Spiel der Macht. Kontrolle war die erfolgversprechendste Strategie, weswegen er nicht vorhatte, sich unter Wert zu verkaufen.
Demetrius trommelte unruhig mit seinen Finger auf der Tischplatte. Was konnte er tun? Welchen plausiblen Grund sollte er seinen Eltern vortragen, der eine spontane Reise nach London rechtfertigte?
Bildung war ein Grund, ein anderer eine Einkaufstour in London. Ersteres war plausibel und gehörte zu seinem Verhaltensrepertoire, Letzteres weniger. Demetrius wusste jedoch nicht, ob das genügen würde. Sein Blick streifte den Kalender. Er hatte fast vergessen, dass er in zwei Tagen Geburtstag hatte. Und wenn er sich die Reise nach London wünschte? Das war wohl das Einfachste. Zwar hatte er sonst nie einen bestimmten Wunsch geäußert, aber in diesem Fall war es die schnellste Methode, um ans Ziel zu kommen. Besser noch: Sie war plausibel!
Demetrius lächelte zufrieden. Der Plan war geschmiedet, nun konnte er beruhigt wieder einschlafen. Dieses Mal jedoch wanderte er nirgendwohin in seinen Träumen.

Credits & Informationen

  • Cover erstellt von Irene Repp (Daylin-Art)
  • Cover-Bilder: Shutterstock (Fotografen: Aham, Volodymyr Burdiak) & pixabay

 

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