… wenn die Zeit der Muse kommt, die Zeit der Besinnung und der Stille. Dann, wenn die Musik des Weihnachtsmarkts und das Gebimmel und Geschrei in den Geschäften erlischt, dann beginnt die Stunde der Erzähler. Sie erzählen mit leiser Stimme, damit jeder ein Stück näher rücken muss, um auch ja kein Wort zu überhören. Sie blicken dabei jedem tief in die Augen und beginnen die Geschichten zu weben, die sie in ihrem Herzen tragen. Und dann, wenn man dazu bereit ist, aber auch nur wirklich dann, beginnt die Magie zu wirken. Dann werden Märchen gestickt, Träume gewebt und in den Herzen und Seelen von allen kehrt der Frieden ein, der  manches Mal so sehnlichst vermisst wird.

Eine besinnliche Zeit ...

Das kleine Piep auf der Fensterbank & Paula

Es war einmal vor langer, langer, ganz langer Zeit, also irgendwann in der letzten Woche, da hörte ich eine Geschichte. Die war so wundersam, dass sie mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht und ich möchte sie allen erzählen, die mir zuhören mögen.
Der Mann, der sie erzählte, begann wie folgt: „Du wirst nicht glauben, was meine Tochter mir erzählt hat.“
Das Mädchen, von dem er sprach, hat den Namen Paula und sie ist acht Jahre alt. Die Geschichte erzählte der Vater auf dem Weg nach Hause, während er mit seinem Freund oder Kollegen im Bus saß und niemand, der in ihrer Nähe saß, kam umhin, zuzuhören, während er so erzählte, denn der Bus war recht voll. Die meisten Leute hatten Einkäufe in der Hand oder umklammerten Rucksäcke und Taschen.
Sehr viele waren wie die beiden Männer unterwegs nach Hause und in leicht gedrückter Feierabendstimmung, weil der Stress des Tages all zu arg an ihre sowieso schon von der Vorweihnachtszeit strapazierten Nerven gezupft hatte.
Nicht so der Vater, der von seiner Tochter erzählte. Seine Augen funkelten verschmitzt, als sein Freund oder Kollege ihm aufmerksam zu hörte. Wie ich auch und wie wohl alle, die um sie drum herum standen oder saßen.
Paula, so ihr Vater, geht schon in die 2. Klasse und ist sehr stolz darauf, im Lesen und im Schreiben gelobt worden zu sein. Nun, so trug es sich zu, dass die kleine Paula sich dieser Tage im November hinsetzte und zu schreiben begann.
Sie verkündete: „Ich schreibe einen Brief an das Christkind.“

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Die Kobolde von der Bäckergilde & Hannes

Es war einmal hier – gleich irgendwo in der Nähe und noch gar nicht so lange her – ein kleiner Junge mit dem Namen Hannes und dessen Schwester. Wo genau? Mhm, lasst mich mal eben kurz überlegen! Gleich habe ich es … Ach ja!
Nur vier Straßen weiter, das Haus mit den roten Ziegeln an der dritten Ecke links. Es steht immer noch der Schneemann vor der Tür, wenn ich mich nicht irre.
Die Geschichte begann letztes Wochenende am Samstag, das dritte Adventswochenende – eine Woche vor Heiligabend. Ich glaube nicht, dass Du weißt, wie es in dem Haus aussieht, aber Du kannst es Dir sicherlich gut vorstellen.
Dritter Advent.
Die Spannung steigt.
Das dritte Licht wird angezündet und überall breitet sich der Duft von Stollen, Zimt, Kaffee und Kakao aus.
Die Blicke werden sehnsüchtiger, wenn es um Geschenke geht und die Erwachsenen überlegen, was man an den Feiertagen alles auftischen möchte.
Aber hier, an dem Tag, dem Samstag am dritten Adventwochenende ging es um etwas anderes und dennoch berührte es die Sphären der allgemeinen Heimlichkeit.
Hannes, der kleine Junge, hatte ein kleines Problem. Eigentlich ein ziemlich großes, welches sich schier übermächtig vor ihm aufbaute. Hannes hatte in der Schule ein Weihnachtsgeschenk für seine Eltern gebastelt. Die Aufgabe war, etwas aus Salzteig zu fertigen, das dann im Herd im Hauswirtschaftsraum ausgebacken worden war. Es war als Geschenk für die Weihnachtszeit gedacht und er und seine Freunde und Schulkameraden sollten das ihren Eltern oder Omas und Opas schenken. Hannes war mit seinem Geschenk von Anfang an nicht sonderlich glücklich gewesen.

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Mistelzweig

von Scarabae und Seya

Straßenlärm drang in den Laden und ließ die Frau hinter der Theke von ihrer Lektüre aufsehen. Zwei junge Männer betraten den Verkaufsraum und schlossen die Tür hinter sich. Der Lärm verstummte wieder mit einem erneuten Glockenklingeln und zurück blieben die leise klassische Hintergrundmusik und die Geräusche der beiden Besucher. Die Frau wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Buch zu, als wäre allein dieses der Mittelpunkt ihrer Welt. Die zwei Männer schloss sie daraus vollkommen aus.

Ein wenig verwundert von der fehlenden Reaktion zuckte Henning, einer der beiden jungen Männer, nur mit den Schultern. Ihm war es nur recht. Seine Toleranzgrenze, was Verkäufer anging, war am heutigen Tag stark gesunken. Gut, es war der 23. Dezember und es war ziemlich viel los in der Stadt; aber der eine Verkäufer hatte ihn angeschrieen, nur weil er ihn nach einem Buch gefragt hatte, das wohl seit gut zwei Wochen vergriffen war. Ganz zu schweigen von den äußerst unfreundlichen Leuten und deren Reaktion auf eine weitere ziemlich harmlose Frage in den Bekleidungsgeschäften. Und zum bisherigen Schluss des Tages die junge Auszubildende in dem Teegeschäft; sie war in Tränen ausgebrochen, als sie ihm sagen musste, dass ausgerechnet diese Teesorte (irgendetwas ziemlich Exotisches, was Jan Niklas lieber unkommentiert gelassen hatte) schon seit vier Tagen nirgends mehr zu bekommen sei. Eine Verkäuferin, die sie also schlicht und ergreifend ignorierte, kam ihm persönlich ziemlich recht.

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Bild: Pixabay (Fotograf: Hans)

Der Weihnachtskobold

von Imani und Seya

Es war kalt! Es war kalt genug, um diesen bekannten Ausspruch wagen zu können: Es war klirrendkalt! Wie im Märchen. Mit von Zuckerschnee eingestäubten Häusern und Bäumen und den meterhohen Schneewehen, die sich am Straßenrand auftürmten.
So jedenfalls konnte man sich das durchaus vorstellen, wenn man an ein Märchen dachte und dabei das Wort „klirrendkalt“ las. Killian jedenfalls dachte an so etwas. Das Problem war nur, dass die Realität nicht zu dem meteorologischen Vorhersagen der letzten Tage passen wollte. Es war zwar klirrendkalt, aber vom Schnee war keine Spur zu sehen. Schmutziggrau sahen die hohen Häuser und klammen Straßen aus. Kein Grün milderte die Spuren der Armut, die sich in dem Wohnviertel von einer Fassade zur anderen widerspiegelte.
Killian legte den Kopf in den Nacken und schob in einer automatischen Geste seinen dunkelgrünen Schal zurecht, damit nicht zuviel Haut dem zwickenden Wind ausgesetzt war. Seine Baseballmütze verrutschte ein wenig. Warum hatte er auch nur seine Haare so kurz geschnitten? Die braune Mähne auf seinem Kopf hätte ihn wenigstes ein bisschen wärmen können.

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Weihnachten über allem …

Es zog an allen Ecken und Enden und Jonas hatte echte Probleme, die Türen und Fenster einigermaßen dicht zu halten. Fluchend stopfte er die Decke in die Fensterbank und verschloss so eine weitere Möglichkeit, die der Wind nutzen konnte, um in die kleine Wohnung zu gelangen. Mit vor Konzentration verengten Augen schaute er auf, einen flüchtigen Blick auf die Straße erhaschend. Doch verblieb er so. Nicht auch das noch, murrte er in Gedanken, als er es weiß vom Himmel schweben sah.

Jonas revidierte ‚schweben‘. Es schoss eher vom Himmel, denn der Winter hatte sich entschlossen ein kleines Schneegestöber zu veranstalten. Nichts von heimlicher und kuscheliger Vorweihnachtszeit. Die Vehemenz des frostigen Windhauches, der sich durch seine Wohnung schlich, ließen seine Kräfte im Kampf gegen die Kälte erlahmen. Und doch…, irgendwie musste er diese Bruchbude doch warm bekommen.

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Weihnachtstagebücher – Ach Du liebe Weihnachtszeit

1. Advent

Ich bin hart geblieben und habe erst jetzt Lebkuchen, Apfelsinen und Nüsse gekauft. Der Kranz duftet wunderbar und die erste Kerze brennt. Sigi hat gestern einen Karpfen gekauft. Er ist lebendig und bewohnt jetzt die Badewanne. Wir haben uns deswegen gestritten. Jetzt haben wir uns wieder versöhnt.

Sigi macht gerade Glühwein und ich dekoriere die Fenster. Es duftet wunderbar nach Zimt und Nelken.

Sigi kommt rein. Er bringt die Post von gestern. Wir haben sie noch gar nicht geöffnet. Jetzt holt er noch den Glühwein und die Gläser. Ich liebe den gemütlichen Teil. Advent ist eine wunderbare Zeit.

2. Advent

Wir sind eingeladen worden. Unsere Eltern haben uns zum Essen eingeladen.

Heiligabend werden wir zu Hause bleiben. Den 1. Weihnachtstag auch. Irgendwie hat es sich so ergeben. Aber den 2. Weihnachtstag gehen wir zu Sigis Eltern, den Tag danach zu meinen. Zum Glück ist dieser Tag ein Sonntag, so können wir einen 3. Weihnachtstag feiern.

Sigi hat wieder Hunger. Wir hatten zum Mittag falscher Hase. Aber jetzt ist ihm nach Süßigkeiten. Zimtschokolade mit Koriander und Nelken. Es duftet weihnachtlich und ich liebe das Licht. Zwei Kerzen brennen jetzt und es ist wirklich gemütlich.

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