– oder warum ich nicht panisch, sondern sauer bin

In den letzten Monaten habe ich immer wieder Zeit damit verbracht, mich auf den neuesten Stand bezüglich DSGVO zu bringen. Wem das nichts sagt und eine eigene Webseite hat, sollte sich damit beschäftigen. Ungeachtet der Tatsache, dass es bestimmte Pflichten schon immer gab. Doch Gerade wird durch unsere Politik lanciert, ein Fest bei den Abmahnanwälten abgefackelt, dass die Wände wackeln.

Durch die allseits schon bekannte Art haben es sich unsere Regierung samt Parlament sehr einfach gemacht: Sie haben eins zu eins die Novelle der EU übernommen, obwohl (sic!) der Raum für lokale Regelungen vorhanden war und dem Grunde nach noch immer ist. Aber man überlässt es den Gerichten, das Durcheinander von deutschen Gesetzen zu EU-Recht zu durchdringen. Schon wieder! Immer, wenn irgendein Gesetz in den letzten Jahrzehnten verabschiedet wurde, wies es solche eklantanten Regelungslücken, verfassungswidrige Bestandteile (von denen man vorab schon wusste) und anderen groben handwerklichen Fehlern auf, dass man sich fragt, wieso noch mal sind die dort in ihrem Job?

Um es einmal kurz zu umreißen: Der Scheiß kümmert den ganz großen Globalplayer, auch mit Sitz in Deutschland, nicht die Bohne. Denn wenn man es genau nimmt: Schreibst du deinen Müll, was du dir an Rechten herausnimmst, in deine Datenschutzerklärung, dann ist erst einmal alles okay. Steht ja da! Der Anspruch ist übrigens, dass alles einfacher und transparenter ist. Ich zeige euch mal meine Datenschutzerklärung. Einfach? Kurz? Transparent? Ähm, ich muss mir mal die Tränen abwischen. Das ist so lustig. Ich bekomme mich gar nicht mehr rein.

Das muss übrigens jeder! Auch https wird mit dazu gehören. Noch kein geforderter Standard, aber früher oder später bekommst du keine Webseite mehr, die nicht das kleine s mit im Protokoll hat. Kostet natürlich extra. Also, wir reden hier von einer kleinen Webseite. Nicht mal meine. Sondern so eine, die man sozusagen als Visitenkarte und zur Ablage seiner Urlaubsbilder angelegt hat. Ein wenig sinnfreies Gelaber. Nichts Weltbewegendes. Sagen wir von Otto-Normalverbracher, macht seinen Job gut, bekommt die Kinder groß und wenn sie erwachsen sind, haben sie noch alle Zähne im Mund. Also alles richtig gemacht.

Ohne zu Übertreiben, ich kann verstehen, dass all diese Webseiten in der nächsten Zeit verschwinden. Ob man sie für flüssig oder überflüssig hält, ist persönliches Denken. Die meisten hat nie interessiert, was darauf zu sehen war.

Doch mit diesen Seiten verschwinden noch ganz andere. Die von Fotografen, die Bilder von Menschen im öffentlichen Raum machen. Weil, sie müssen von jedem einzelnen die Erlaubnis haben, um das Bild überhaupt machen zu können! Es gibt jetzt die Anwälte, die sagen: Hey, das ist von der Kunstfreiheit abgedeckt (samt dem dazugehörigen Gesetz). Andere sagen: Das kann man so nicht sagen. Wenn sich zwei Anwälte treffen, gehts vor Gericht. Wieso steht im DSVGO nicht, was als Ausnahme gedacht ist oder nicht. Es ist ein bitterer Witz, wenn ein Kollege vor ein, zwei Tagen schrieb, dass er die Erlaubnis der Staude und der Statuen im Hintergrund eingeholt hatte, bevor er ein Bild von sich selbst postete. Er wurde darauf hingewiesen, dass er noch den Essig und das Öl hätte fragen sollen (die Flaschen standen auf dem Tisch).

Fakt ist, diese Regelung macht keine Unterscheidung zwischen einem Unternehmen wie Amazon, einem Shopbetreiber mit angehängtem Flohmarkt, keine Unterschied zwischen einer Bloggerseite, keinen zwischen einer Visitenkarte und sonstigen Webseiten. Alle müssen so tun, als würden sie Daten im großen Umfang verarbeiten, auswerten und verkaufen. Das müssen sie erklären, ob sie es tun oder nicht und sie müssen reinschreiben, wen sie noch mit im Boot haben. Aktuell habe ich eine Anfrage bei meinem Provider laufen. Ja, an den muss ich denken. Toll, nicht? Kerl, was machst du mit meiner Webseite? … Ähm, posten? Ja, dachte ich auch. Aber ich gehe davon aus, dass du sie nimmst und an Satan verkaufst. Oder so ähnlich.

Wie gesagt, die großen Datensammler interessiert das einen Scheiß. Die brauchen nur reinschreiben, dass sie es tun. Und wenn du dich beschwerst, ach Gott. Dann füll mal das Papier aus und wir bearbeiten das dann. Das ist das Resümee dieses Gesetzes. Und ach ja: Mein Spamfilter funktioniert nicht mehr. Ich musste ihn ausschalten, weil ich Daten darüber gesammelt hätte. Die IP-Adressen. +reuiges Nicken+ nur, wie ich soll ich diese Vollidioten davon abhalten, meine Webseite zu überrennen? Schon mal daran gedacht? Okay, dann eben keine Kommentarfunktion. Sorry Leute. Wenn ihr kommentieren wollt, Link folgt. Ich mache das auf Facebook.

Wie? Facebook ist Satan?

Ist doch nicht mein Problem. Steht in den Datenschutzbestimmungen von Facebook. Ihr seid gekauft und zum Eigentum erklärt worden. Bei mir hättet ihr es schöner gehabt. Es tut mir sooooo leid. Eure Seele wird brennen.

Ob ich schlecht gelaunt bin? Och nö. Noch fünf Tassen Kaffee und ich sehe rosa-weiße, flauschige Kaninchen.

Wenn Du auf diesen Link klickst, landest du bei Facebook. Wenn Du die Bedingungen von Facebook nicht anerkennst, dann darfst Du darauf nicht klicken. Ein Kommentar ist aber per Mail möglich. Schick ihn an d.brandt at posteo.de

Viel Spaß!

DSGVO – VO steht für Verordnung. Dem Rang nach normalerweise eine Rechtsvorschrift, die unterhalb eines Gesetzes steht und nur mit Erlaubnis eines Gesetzes erlassen werden darf – oder aufgrund der Verpflichtung aus einem Gesetz heraus. Hier ist das eine EU-Vorschrift. Das bricht Mitglieder-Recht. Sprich Gesetze der Mitglieder können dadurch ggf. obsolet werden. Sie bedürfen entweder der Anpassung und werden faktisch (in ihrer alten Fassung) nicht mehr angewandt. Es kann aber sein, dass Lücken in der VO sind, in die dann die alten Gesetze „krätschen“. Diese davon betroffenen Sachverhalte und alle Verhältnisse zueinander – also die Verhältnisse alte Gesetze und neuer VO – werden dann im Grunde durch Richterrecht interpretiert. Anhand des darauf verwendeten Hirnschmalz kommt es dann irgendwann zu Anpassungen von Seiten des Gesetzgebers (witziges Wort). Dann kommen im Grunde die Buchhalter, sortieren die Urteile und sagen, och, das machen wir jetzt so. Vielleicht erklärt die Vorgehensweise was. Es gibt einfach nicht mehr verlässliches Fachpersonal. So ein Mist aber auch. Der Fachpersonalmangel ist überall und es ist das Grauen.