Happy End – Sad End

Vorab: Mir auch klar, dass der Markt für ein „Trauriges Ende“ recht klein und übersichtlich ist. Egal, was ich hier im Folgenden sage, es wird daran nichts ändern. Aber darum geht es auch nicht. Es geht nämlich eigentlich bei allem immer nur um Salz*).

Happy Ends sind die von den Lesern gefragtesten Enden einer Geschichte überhaupt. Wir wollen, dass es gut ausgeht. Wir wollen die Gewissheit, dass wir ruhig und mit einem Lächeln ein Buch schließen können, weil unsere Lieblinge jetzt ein gutes Leben führen. Davon abgesehen, dass bei mir und wahrscheinlich bei jedem anderen Autor auch, mitunter die Charaktere danach ein Leben führen, dass nicht immer schön ist und dass sie dabei sterben können (können, weil fiktiv kann man das auch unterbinden), wir es nur nicht aufschreiben. Denn seien wir doch mal ehrlich: Ein Happy End ist eine Illusion. Eine Ausblende. Das Einblenden von vier Buchstaben und das wars dann. Klassisches und beliebtestes Ende bei Frauen: Sie bekommt den Märchenprinzen/ Bad Boy.
Man kann sich darüber lustig machen. Man kann es aber auch lassen. Denn es gibt Gründe dafür, warum es das sein muss. Warum wir diese Beruhigung brauchen. Diesen Balsam auf geschundene Nerven. Es ist nicht einfach, mit Frust durchs Leben zu schlittern und nicht jeder hat Strategien drauf, die es einem vereinfachen. Die einen verwenden den Glauben zwecks Rückenaufrichten, die anderen Party und die nächsten Lesen und manche auch Drogen. Einfach, um sich gut zu fühlen. Bestärkt.
Ein Happy-End-Evangelium ist daher nur konsequent.

Und doch, es gibt Moment im Leben, da kann man dieses süße Zeug nicht mehr ertragen. Es verklebt einem die Zunge und man fühlt sich unwohl. Als ob man sich den Magen verdorben hätte. In der Kindheit denken wir vielfach nur daran, soviel Süßes, wie es geht, in uns zu bekommen (auch hier: Ausnahmen gibt es und sie bestätigen die Regel). Und im Laufe der Zeit erkennen wir, dass Geschmack sehr viel weiter und differenzierter ist als „süß“.
Das gleiche gilt auch für Bücher und deren „Zungenschlag“. Wir haben die Einschläge hinter uns und vieles durchgestanden. Wir wissen, dass es nicht immer gut ausgeht. Aber verdammt noch mal, wir stehen noch da und leben weiter. Das ist nicht immer ein Happy End, aber eine Tatsache. Und dann lernen wir, dass wir mitunter das Bittere, das Saure und das Salzige brauchen, um die Süße schmecken zu können. Es wie eine Reinigung der Zunge, bevor wir weiter im Buffett voranschreiten.

Meine Erfahrung mit traurigen und aufwühlenden Büchern, sie sind die am nachhaltigsten. Sie bleiben mir in Erinnerung und sie geben den anderen Büchern mit Happy End, das was diese dringend brauchen: Den nötigen Kontrast. Nur, wenn wir Schatten haben, können wir das Licht sehen.

Und dann gibt es ja noch die Bücher, die weder ein Happy End haben noch ein Sad End. Die waren für mich bisher die schlimmsten. Sie gehen tiefer, weil der Kontrast nicht zwischen zwei Büchern zustande kommt, sondern direkt in dem einen Buch sich befindet. Eine Herausforderung, die den einen Leser versöhnen kann mit einem „Nicht-Happy-End“, die ihm aber auch mehr abverlangt, als er im ersten Moment meint.

In diesem Sinne, ein spannendes Lesen und ein Haufen Zitronen neben einem Berg von Zucker. Macht Limonade.

Man liest sich.

*) Salz gehört an jede süße Speise. Auch an Kuchen. Niemals vergessen.