Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Warnung: Leser, die nicht desillusioniert werden wollen, wie Geschichten analysiert werden, sollten den folgenden Beitrag nicht lesen. Hier wird u.a. die Grundkonstruktion von Geschichten dargestellt und brutal zerpflückt. Ich weiß, ist wie eine Katastrophe. Man kann nicht wegschauen. Aber mitunter sollte man das tun.

Prinzessin oder Hexe?
Fickbar oder Unfickbar?
Küssbar oder Unküssbar?
Mädchen oder Frau? (oder gar nichts?)

Wäh, Genderkram!
Wäh, Frauenkram!

Und, überhaupt, wäh!

Sookie tippte dieser Tage ein Thema an, dass sich mit starken Frauen beschäftigte. Na, das ist nicht ganz richtig. Genauer beschäftigte sie sich mit dem Frauenbild in der Literatur. Rollenbilder. Vorbilder. Das Menetekel ist immer noch 50-SOG (50 Schattierungen von Grau – ich kanns ;-)) Was für ein Trauma, dass es ein Davor und Danach gibt!

Wie sie richtig bemerkte, ist seit diesem Buch der Buchmarkt subjektiv in einem Genre explodiert (objektiv habe ich es nicht geprüft). Zusammen mit dem Young-Adult-Genre gibt es im Mainstream derzeit ein eher traditionelles Frauenbild wider, das sich wunderbarerweise wie ein Puzzlestück in das eigene Befinden einklickt und einen das Gefühl von Vollständigkeit gibt.
Es gibt zwar auch Frauen, bei denen dann alles platzt inkl. der Kragen. Aber eine eklatante Zahl der Frauen und Mädchen (und heranwachsenden Frauen) verschlingt diese Bücher. Das hier soll keine Abrechnung sein und kein Vorwurf. Und erst recht kein schlechtes Gewissen einreden. Mehr geht es um diesen Balanceakt zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Ab und an sollte man sich das eine oder andere vergegenwärtigen. Das entspricht in etwa einem (mentalen) Frühjahrsputz.

Es braucht mehr starke und vor allen Dingen differenzierte Frauenbilder in der Literatur.

2001 bekam ich einen Einblick in etwas, was bei genauerer Betrachtung sehr viel mehr ist, als nur „Etwas“, mehr als Yaoi und Gay, usw. Es ging und geht um Verstehen, Verständnis, Verinnerlichen, Vorstellungen, Erwartungen und um den Klebstoff, der alles zusammenhält (oder auch die Quelle, aus der sich alles ergibt): Die Sexualität. Das ist alles dieser verdammte Genderkram, der so manchen Zeitgenossen einem Propeller gleich an die Decke verfrachtet und dann so tut, als ginge es nur um das Binnen-I und anderes Zeugs.
Das wäre aber zu kurz gegriffen. Das, was die Genderwissenschaft macht, mache ich und jeder Autor im Grunde auch. Wir beobachten und versuchen zu verstehen.
Seit 2001 befasse ich mich nahezu ununterbrochen mit Rollenbildern und Rollenverständnis und das, was an einen Menschen von außen an ihn herangetragen wird – die Erwartungen. Wie hat Mann zu sein und wie hat Frau zu sein und wie werden sie definiert. Die innere, die äußere Definition. Wie äußert sich das? Wo fängt es an, in einer gepflegten Explosion hochzugehen? Fertig bin ich damit noch lange nicht und wird man wohl auch nie.

Da ich das jetzt schon eine ganze Weile mache, blieb mir nicht verborgen, dass es etwa seit 10 Jahren einen Rollback gibt. Dieser fing langsam an und hat seitdem einiges an Fahrt aufgenommen. Es wird mit Sehnsüchten gespielt, mit Vorurteilen und vor allen Dingen mit der Angst. Sowohl der „Schwule Mann“ wie auch die „Frau“ haben dabei eine sehr feste Rolle und sie steht diametral dem „heterosexuellen Mann“ gegenüber. Beide sind sie eine Gefahr für die Männlichkeit oder werden immer wieder gern als Vorwand genutzt, um Männlichkeit als gefährdet anzusehen.

Erst wenn man das eine ansieht, kann man das andere verstehen. Denn du brauchst den Schatten um das Licht zu erkennen.

Einerlei, welche Fortschritte es in unserer (sic!) Gesellschaft gibt. Einerlei, dass ein Mann, der einen Mann liebt, nicht mehr aufgehängt wird, einerlei, dass eine Frau, die sich durch alle Betten liebt, nicht mehr ins Zuchthaus oder in die Psychiatrie kommt. Wir sind von dem, was unsere Großeltern und Ahnen gedacht und getan haben, nur einen Hauch entfernt, da das grundlegende Denken nicht in Frage gestellt wird.

Was ist ein Mann?
Was ist eine Frau?

Da dieses Thema Bibliotheken füllen würde und es auch tut, bleibe ich bei Sookie. Frau! Bild! Vorstellung. Literatur. (doch nicht vergessen, das Thema ist weit größer)

Die Frau hat in der Literatur zwei archetypische Rollen zur Auswahl. Heilige oder Hure. Prinzessin oder Hexe. Jungfrau Maria und die Hure Magdalena. Immer das Gute und Reine und Jungfräuliche steht dem Bösen, dem sexuell aktiven, der Schlampe, der Unreinen gegenüber. Großartige Auswahl. Ich bin begeistert. Ähm, das war Ironie.

Diese Vorstellung von Frau pingt in aller Regel bei den meisten Menschen auf und wenn sie sich dessen nicht bewusst sind, immer dann, wenn sie wütend werden. Oder sprachlich nicht unter Kontrolle haben. Wenn man sie reizt. Es rutscht Männern wie Frauen heraus. Da tun sich beide nicht viel.
(Bitte kommt mir jetzt nicht mit Ausnahmen.)

Zusammen mit den beiden Bildern, was Frau ist, wird das Ganze noch mit der Liebe überzuckert. Der unendlichen, alles umfassenden, romantischen Liebe. Am besten platonisch und zwar auch dann, wenn es zur Sache geht. Ist ein Kunstwerk ohne Gleichen. Sex, der sauber ist. Braucht jemand einen Seifenlappen?
Dabei hilft es nicht, wenn man sagt, dass Sex an sich nicht dreckig ist (im Sinne von böse, des Teufels). In der Literatur, von der ich spreche, ist Sex nur dann heilig und rein, wenn er einem höheren Zweck dient.

Ich sortiere mal ein wenig und kreise ein. Mal sehen, ob es gelingt.

Süßes, 17jähriges Mädchen, allseits beliebt/ unbeliebt, jungfräulich. Was genau sie von den anderen Mädchen unterscheidet, ist nicht immer erkennbar. Aber sie ist halt auserwählt fürs Schicksal oder vom Schicksal. Vielleicht ist sie noch schüchtern = Heldin!

Kurzes Zerpflücken: 17 Jahre ist das süße Ding! Das ist ein magisches Alter. Irgendwo zwischen nicht geschlechtsreif und perfekt jung. Nicht reif. Bewegt sich schon fraulich, aber ist nicht so eine der alten Wachteln ab 20 Jahren, die einem Angst machen könnten (boah, sind die altl!!!), weil sie so langsam die Ahnung haben, was wirklich abgeht. Dieses süße Gekicher. Ach! Schön!
Es gibt da durchaus eine breite Front von männlichen Abnehmern für das Alter.
Es ist alles noch im Bereich des Fließens und Werden. Eine Zeit der Orientierung, die jedoch, wenn es sich einrichten lässt, Frauen nicht zugestanden wird. Stichwort: Gefahr!

Alter: Archetypisch wäre ein Alter zwischen 14 und 17 angesagt. Heute auch noch in einigen Ländern das Alter, in dem gern Mädchen verheiratet werden, bevor sie lernen, selbstständig zu denken und sich ihrer Fraulichkeit und damit Sexualität bewusst werden – also heranwachsende Frauen, die im Ausprobieren sind oder kurz davor. 17 Jahre ist bei uns konstituiert, da mit 18 Jahren Volljährigkeit gesetzlich festgeschrieben ist. Ist sie 18, ist sie draußen. Und nein, es zählt jetzt nicht, wenn alle auf einmal aus 17jährigen 18jährige machen 😉

Mädchen: Sachlich, geschlechtslos. Unselbstständig. Hübsch anzusehen. Typischer Spruch: Mädchen soll man sehen, nicht hören.

Schüchtern: Zurückhaltend, still, sanft, zart, beschützenswert, ein wenig einsam, unverstanden. Bild eines Elfenturms. Etwas, das man erobern kann. Die Welt zeigen kann. Formen und bilden. Die anderen Mädchen, denen sie sich nicht anschließt, dienen als Abgrenzung und bilden die Front der „bösen“ Mädchen, die nicht so rein und fein sind, wie das andere Mädchen, unsere Heldin.

Diese junge Frau ist also die Heldin, die was macht?

Sie verliebt sich! (Zweck? Ähm … Welt retten oder so)

Oh, jetzt schrillen die Alarmglocken. Unschuld und Unwissenheit in Gefahr. Geht gar nicht. Denn mit Verlieben kommt es meist unweigerlich zu Sex.

Sie muss sich jetzt beweisen und auf dem schmalen Grad wandeln, ihre Mädchenhaftigkeit zu behalten und Wissen zu erlangen, ohne frivol zu werden. Also zur Hure. Die Jungfrau, die ein Kind bekommen kann. Oder das Einhorn zähmen. Oder irgendwas in der Art.

Zum Schluss gibt sie sich dem auserwählten Helden hin, der … +trommelwirbel+ Ein Prinz ist. Oder ein Erbe von xyz. Egal. Auf jeden Fall auserwählt, der die Heldin auserwählt und „zur Frau macht“ – man höre und staune. Sex ist ein alchemistischer Vorgang, der aus einem Mädchen eine Frau macht. Niemals vergessen! (Schön auch immer der Spruch: „Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau“ – jeder weiß, Priester können zaubern)

Varianten des Sets: Böser Junge mit gutem Kern. Zwei Jungs, einer gut, einer böse. Mädchen mit böser Spezial-Freundin. Mädchen, das angeblich böse ist, aber eigentlich gut. Und anderes.

Es gibt auch Geschichtenvarianten, in denen nicht ganz so viele Bildchen reingeworfen werden. Aber die charakterlichen Eigenschaften der Personen bleibt bei dem Hauptteil der Geschichten eher … flach (was übrigens auch so sein muss – es müssen Klischees bedient werden, sonst ist die Geschichte nicht richtig*)). Wichtig jedoch ist: Mädchen (sic!) kriegt Mann (sic!) und wird dadurch zur Frau, ohne zur Schlampe zu werden, und sie heiraten. Yeah!!!!!!
Das firmiert unter Happy End.

Bin mir da jetzt nicht so sicher, aber man könnte es eigentlich auch als Katastrophe bezeichnen. Doch nach herrschender Meinung ist das das das Happy End (3 x das ist an der Stelle richtig).

Soweit so gut.

Jetzt noch die Erwachsenenvariante.

Gute, junge Frau. Bitte nicht älter als 25. Hatte Pech mit den Männern. Sexuell unbefriedigt (weil eine gute Frau keinen Spaß beim Sex mit dem falschen vom Schicksal bestimmten Mann hat – wenn sie Spaß hat, ist sie eine Schlampe -> sh. Hure). Trifft auf Prinzen (in den bekannten Varianten) und heiratet ihn.

Da!
Bemerkt?
Wieder ne Hochzeit.

Das ist, was Sookie moniert. Hochzeit. Kerl heiraten. Guter Sex nur mit auserwähltem Kerl. Kinder. Ähm … das wars. Es spielt dann auch irgendwann keine Rolle mehr, wie Frau dahingekommen ist. Das ultimative Ziel ist Hochzeit, Liebe, Zusammenkommen für immer und ewig. Danach ist übrigens Frau noch eindimensionaler als sonst. Frau bekommt Kinder. Mann rettet die Welt. Frau hat keine Zeit dafür. Und nein, sie checkt nicht die E-Mails (Insider).
Und weil sie eindimensionaler wahrgenommen wird – Mutter mit Kind ist Mutter mit Kind und damit sakrosankt und sowieso, die sind halt eben sooooo – fällt Frau aus der Literatur raus. Sie taucht erst wieder auf, wenn sie zur Hexe mutiert ist. Interessant ist noch der Typus der Stiefmutter. Während Mann sich in der Literatur profiliert und all das, was ihn plagt und peinigt, groß und breit ausführen kann und darf. Frau schweigt literarisch. Echt, der Klatsch im Treppenhaus (whatsapp) zählt nicht. Einfach mal glauben.

Die große Frage, die Sookie, und eigentlich auch andere stellen – nicht nur Leser, auch Autoren – geht es auch anders? Eine ähnliche Frage dieser Tage war, geht eine Geschichte auch ohne romantische Liebe? Darf es nicht auch mal ohne Rosazucker sein? Offenes Ende. Oder weniger romantisch? Darf es auch mal nicht Mann/ Frau sein. Darf es auch mal Nuancen außerhalb des traditionellen Bildes sein?

Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich bin ein Kind dieser Zeit und … (Zensur)

Ich selbst schreibe gern Geschichten außerhalb von was auch immer. Gewünscht sind sie nur in einem gewissen Umfang. Meine Theorie: Es ist eben leichter etwas zu konsumieren, das man schon kennt. Daher übrigens oben das Bild mit dem „einrasten“, „einklinken“. Ich kenne das auch. Es ist ein Wunderbares sich berieseln zu lassen. Aber, und das ist nicht unwichtig, es geht eben auch anders. Man kann Gewohnheiten ändern. Sichtweisen neu justieren. Man kann ein wenig mentale und seelische Seelenpflege betreiben und mal die Suppe, die man sonst immer so isst, ein wenig umwürzen. Vielleicht lassen sich dazu der eine oder andere Autor, aber auch Leser sowie ebenso Autorinnen und Leserinnen hinreißen. Dabei geht es weniger um eine Radikalkur. Wo die übrigens beginnt, ist bei jedem unterschiedlich. Aber ein wenig Abenteuerlust sollte man schon mitbringen. Man weiß eben nicht immer so genau, wo die Reise hingeht, wenn man mal etwas Neues probiert.

Sookie selbst schreibt über Polyamorie. Ihr Hauptcharakter: Eine Frau, die per Definition der herrschenden Meinung eine Schlampe ist. Die treibt es mit jedem. So die einhellige Meinung der Gesellschaft. Aber nichts ist so einfach, wie es klingt.
Sookie wünscht sich mehr Geschichten mit vielfältigen Frauenbildern und Frauen und mit all ihren Zweifeln und Kämpfen in jedem Alter. Und ich ehrlich gesagt auch.

Wenn ich zu mir schaue: Ich habe zwei Geschichten, die ich aller Voraussicht nach kaum irgendwo unterbringen kann. Wenn ich mich als Beispiel nehme, gehe ich davon aus, dass es noch mehr Autorinnen und Autoren gibt, die solche Schätze in den Schubläden haben. Vielleicht lässt sich da was machen.

Der Mainstream kann ja Mainstream bleiben. Aber so ein paar Trittsteine wären echt nicht schlecht.

Wer Bücher hat und kennt, die etwas neueren Datums sind (sagen wir 20 Jahre – *pfeif*), kann sie ja hier drunter wegschreiben.

Warum ich das übrigens für wichtig erachte, hat etwas mit einem Effekt zu tun, den man niemals unterschätzen sollte. Die Art, wie Frau wahrgenommen wird, aber auch Mann, wird zu einem großen Teil durch vorgefertigte und konsumierte Mindsets aus Filmen und Büchern übernommen. Die Macht der Bilder und Vorstellungen ist gewaltig. Die Art, wie Frau nach dem Krieg wahrgenommen wurde oder in den 80zigern ist zu einem großen Teil durch Filme geprägt gewesen.
Das Rezipieren und Vorleben von repressiven Rollensets kann daher zu einem Anpassungsdruck führen, der wiederum zu Gewalt führen kann. Bilder und Vorstellungen sind in uns und werden durchs Vorleben zur Wahrheit. Wenn wir Vielfalt zulassen und auch einfordern, sind wir geistiger flexibler, wenn wir mit der Vielfalt des Lebens konfrontiert werden. Nicht umsonst wurden Götter erfunden und im Schauspiel auf die Bühne gebracht (ein kleiner Schlenker ins griechische Entertainment). Mit Geschichten probieren wir aus, was möglich ist.
Also …

Man liest sich

Dana aka Seya

*) Wie soll ich das erklären? Es gibt mehrere Aspekte bei dieser Art von Geschichten. Egal, wie dick sie sind, die Bücher meine ich, haben sie doch dasselbe Grundkontrukt wie die Heftchenromane „von früher“. Es gibt einen Aufbau. Es gibt ein Chara-Set. Es gibt eine Handvoll beliebter Setting. Diese Romane werden gelesen, weil sie sind, wie sie sind und das macht ihre Beliebtheit aus, an der es nichts zu kritteln gibt. Das ist einfach nur eine Feststellung. Es hat immer diese Art Geschichten gegeben – heute noch zusätzlich als Genre „ Young-Adult“ – und es wird sie auch immer geben. Ich denke, sie haben ihre Berechtigung. Irritierend ist nur die Flut.

Credits

Bilder: depositphotos (mike_kiev, mybaitshop, Gaidenko, DepositNoviz)

Fickbar und Unfickbar

Es gibt durchaus diese Einteilung. Eine Variante davon ist, Frauen in eine Skala einzusortieren. Sozusagen amazon-Ranking für Frauen. Fickbar ist meist hübsch bis schön und willig, ohne allzu billig zu wirken. Außer Äußerlichkeiten und die Fähigkeit der Selbstmedikamentation (Pille nehmen zwecks Verhütung) wird meist nicht mehr verlangt. Es gibt Frauen und Mädchen, die sich diesem Diktat unterwerfen und selbst den entsprechenden Spruch auf den Lippen führen. Lieber gefickt als ungefickt. Die „weichere“ Variante ist: Frauen, die auf „Männerjagd“ gehen.

Küssen oder nicht küssen

Abgeleitet aus den Umstylingsendungen, in denen dies durchaus ein Kriterium darstellt. Heiraten ist übrigens die höchste erreichbare Stufe. Entschieden wird nach Äußerem.

Gender

Die deutsche Sprache kennt nur Geschlecht. Die englische Sprache kennt Sex und Gender. Sex ist damit das biologische Geschlecht (bsp. männlich, weiblich, zwitter). Gender ist das gesellschaftliche Geschlecht. Beides kann deckungsgleich sein, muss aber nicht. Im Übrigen nicht zu verwechseln mit der sexuellen Orientierung. Die kommt noch dazu. Also Transgender-Mann, der schwul ist. Die Kombination ist durchaus eine Mögliche.
Über Gender wird sehr abfällig gesprochen. Wird dem aber nicht gerecht – wie jede Wissenschaft gibt es Auswüchse. Aber diese Wissenschaft hat den Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung sowie den Blick in die Vergangenheit, um Ursachenforschung zu betreiben. Und wenn man überlegt, wie viele Missverständnisse es gibt, wie viele Kriege, Blut und Tote es deswegen gibt (sh. Tschetschenien, Orlando, aktuelle Entwicklung in Deutschland), müsste man dieses sogenannte Elfenbeinturm-Fach eigentlich etwas anders gewichten.

Archetypen

Das menschliche Gehirn denkt in Mustern oder Schablonen. Es gibt Schablonen, die über alle Kulturen hinweg funktionieren und welche, die kulturbedingt sind. Archetypen sind im Grunde Grundformen menschlicher Typen. Also, die alte Frau. Die Hexe. Der weise Mann. Der Krieger. Der König. Die Prinzessin. Der Prinz. Das Kind. Die Stiefmutter. Der Priester. Diese und weitere Figuren findet man immer wieder in Märchen, aber auch in jeder Form von Geschichte. Es ist im Grunde gesellschaftlicher Kit. Ein Grundtext, der in allem mitschwingt und unser Bild von dem, was wir als wahr über Menschen erachten, mitnehmen.
Die Jungfrau gehört dazu ebenso wie die Hure.
Diese Art des Denkens geschieht selten bewusst (Stichwort: Denkfilter oder Mindset). Jedoch den meisten Autoren wird das früher oder später bewusst. Denn sie spielen mit den Archetypen. Sie lassen sich auch in modernen Geschichten der Gegenwart immer wiederfinden. Übrigens auch die Jungfrau mit dem Einhorn. Im Mittelalter ein sehr beliebtes Motiv.

(Vermittlung von Archetypen: Märchen und Geschichten)

yaoi

In Japan eine Genreform. Übersetzt: Ohne Höhepunkt, was sich auf den literarischen Wert bezieht. Andererseits geht es nur um Höhepunkte. Yaoi wird von Frauen geschrieben – in aller Regel – und ist Literatur für Frauen, wobei Mann/ Mann-Beziehungen das Thema sind. Inwieweit der eine Mann eher weibliche Züge aufweist und der andere das Klischee des starken Mannes erfüllt, muss man von Geschichte zu Geschichte herausfinden. Aber es gibt hier alle Varianten von gay, die nicht immer gay sind. Wie das gemeint ist, ist schwierig ohne Beispiele zu sagen. Aber mit der Zeit bekommt man einen Eindruck, der einem sagt, dass das eher Yaoi und das eher Gay ist und das irgendwo dazwischen.

Polyamorie

Eine sexuelle Neigung. Menschen, die in der Lage und Willens sind, in festen Beziehungen zu mehr als einem Mensch zu leben. Die klassische Variante und eher bekannte Variante (und emotional und sexuell in Europa aufgeladen –Stichwort: Harem sowie Mormonenehe) wohl Mann mit vielen Frauen (sofern Frauen dies auch freiwillig mitmachen und nicht „überredet“ werden, dann könnte der Mann polyamor sein. Dennoch stimmt was nicht, da hier mannzentriert gedacht wird und das ist nicht polyamor. Wenn die Frauen eigene Beziehungen oder Beziehungen untereinander haben – dürfen im Ausmaß wie der Mann auch – wäre die Gruppe polyamor, was jedoch durch den Harem und die Mormonenehe klassisch nicht abgedeckt ist).
Poly = viel, amor = Liebe

Rollenset

Rolle und Rollensets. Rolle ist zum Beispiel: Die Tochter. Rollenset ist in einer Person vereint. Tochter, Schwiegertochter, Mutter, Oma, Ehefrau, geschiedene Ehefrau, Geliebte, arbeitende Frau, Ehrenamtlich Tätige, Städterin, Zugezogene, Flüchtling, Lesbe usw.
In jeder Funktion, denn Rollen sind immer funktional, werden verschiedene Erwartungen und Anforderungen geknüpft, die zu leisten sind.